Anfänge: zwei Wege, eine Bühne
Bevor Taconafide entstand, hatten sich beide Rapper bereits eine eigene Position erarbeitet. Taco Hemingway (Filip Szcześniak) debütierte 2015 mit der EP „Trójkąt Warszawski“. Er erzählte vom Alltag in der Hauptstadt, von Nostalgie und dem Nachtleben der Stadt; in den Folgejahren veröffentlichte er „Umowa o dzieło“ sowie „Szprycer“. Er avancierte rasch zu einem der populärsten polnischen Rapper der jungen Generation.
Quebonafide (Kuba Grabowski) ist schon länger in der Szene aktiv. Er ist seit 2008 tätig – in jenem Jahr erschienen die ersten Aufnahmen des Duos Yochimu, das er gemeinsam mit Fuso bildete. Später verfolgte er eine Solokarriere, veröffentlichte unter anderem die Alben „Dla Fanek Euforii“ sowie „Dla Fanów Eklektyki“ und avancierte zu einem der bekanntesten Namen im polnischen Rap. Zudem betrieb er sein eigenes Label, QueQuality.
Ihre Stile unterschieden sich deutlich. Taco steht für eine leichte Erzählweise und Beobachtung, Quebonafide für Energie, Ironie und Theatralik. Genau diese Gegenüberstellung erwies sich als die größte Stärke des Projekts.
2018: Die Geburt von Taconafide
Die Ankündigung des gemeinsamen Albums erfolgte im Frühjahr 2018. Am 16. März erschien auf dem Kanal QueQuality die erste Single „Art-B“, die zugleich den Albumtitel „Soma 0,5 mg“ sowie das Veröffentlichungsdatum – den 13. April – enthüllte. Es folgten weitere Singles: Am 4. April wurde „Metallica 808“ veröffentlicht, fünf Tage später „Kryptowaluty“ – inklusive Musikvideo. Hinzu kam „Tamagotchi“, das sich zum größten Radiohit des Projekts entwickelte und bei den meisten polnischen Radiosendern den ersten Platz erreichte.
„Soma 0,5 mg“ und der kommerzielle Erfolg
Das Album erschien am 13. April 2018, und wenige Tage später folgte das Zusatzmaterial „0,25 mg“ mit Remixen sowie Stücken, die nicht auf dem Hauptalbum enthalten waren. Der Erfolg war groß: Das Album stieg direkt auf Platz 1 der OLiS-Charts ein, erreichte Platinstatus und wurde später sogar mit Diamant ausgezeichnet. Es verkaufte sich über 150.000 Mal. Zudem wurde das Album mit einem „Fryderyk“ in der Kategorie „Hip-Hop-Album des Jahres“ ausgezeichnet.
Die Texte kreisen um Ruhm, Geld und den Preis, den man dafür zahlt. Beide Rapper beschreiben das Leben nach dem Erfolg – mit all seinen Annehmlichkeiten, aber auch mit dem Druck, der Einsamkeit und den Schattenseiten der Popularität. Das Ganze ist in einem ironischen, stellenweise sogar selbstironischen Ton gehalten. Die Vermarktung des Albums war ausgefeilt: vier Singles, Musikvideos und eine Online-Kampagne. Die Kritiker waren sich zwar nicht einig, doch die Fans nahmen das Projekt begeistert auf, und seine Popularität reichte weit über die Hip-Hop-Szene hinaus.
Wie geht es weiter: Rückkehr zu Solokarrieren
Nach „Soma” kehrten beide Künstler zu ihren eigenen Projekten zurück. Taco Hemingway veröffentlichte unter anderem „Café Belga“ und „Pocztówka z WWA, lato ’19“ sowie 2020 „Jarmark“ und „Europa“, die in den Verkaufscharts den ersten beziehungsweise zweiten Platz erreichten. Im selben Jahr erschien zudem die kontroverse, politische Single „Polskie tango“. Quebonafide setzte seine Solokarriere fort, und auch sein Album „Egzotyka“ erwies sich als großer Verkaufserfolg.
Die Bedeutung des Duos
Taconafide hat gezeigt, dass zwei Künstler aus unterschiedlichen Welten ein Projekt erschaffen können, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Für viele Hörer wurde es zu einem Symbol des polnischen Rap in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre – einer Zeit, in der Hip-Hop endgültig im Mainstream ankam. Beide Rapper setzten damals Trends, und das Duo wurde zum Referenzpunkt für weitere Kollaborationen in der polnischen Szene.